Deutschland hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2045 klimaneutral zu sein. Bis dahin sind die Nettoemissionen auf null zu reduzieren. Bereits bis 2030 sollen die deutschen Treibhausgas-Emissionen um 65 % gegenüber 1990 reduziert werden. Ein äußerst ambitioniertes und zugleich fragwürdiges Klima-Neutralitätsziel! Dabei ist zu beachten, dass die weltweit größten Emissionen von Staaten stammen, die sich nicht zu diesem Klimaziel verpflichtet haben.
Im Auftrag der Bank für Wiederaufbau (KFW)-Research erstellte Prognos eine Studie [1] über den Investitionsbedarf zum Erreichen von Klimaneutralität in Deutschland. Die Autoren der Studie halten die Transformationen zu einer klimaneutralen Wirtschaft mit größtenteils bekannten Technologien zwar für möglich, erfordert aber deutliches Umsteuern und signifikante Investitionen durch private und öffentliche Akteure. Neben technologischen Herausforderungen, heißt es in der Studie, besteht auch ein hoher Anpassungsbedarf bei Wertschöpfung, Branchenstruktur und Lieferketten.
Insgesamt braucht Deutschland für den Umbau des Energiesystems und der Volkswirtschaft zwischen 2025 und 2045 rund 5,7 bis 6,4 Billionen Euro – also jährlich etwa 270 bis 300 Milliarden Euro. Klimaschutzinvestitionen ersetzen aber zumindest teilweise Investitionen in fossile Technologien, die nötigen zusätzlichen Nettoinvestitionen liegen bei 135 bis 153 Milliarden Euro pro Jahr.
Notwendige Klimaschutzinvestitionen in den Sektoren
Verkehr: Der größte Anteil der Investitionen entfällt auf den Verkehr. Hier summieren sich die nötigen Investitionen bis 2045 auf 2,6 bis 2,9 Billionen Euro, vor allem durch die Elektrifizierung des Straßenverkehrs und den Ersatz konventioneller Pkw. Die Nettoinvestitionen liegen aber nur bei 0,4 bis 0,7 Billionen Euro, da Investitionen in Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren entfallen müssten.
Energie: Im Energiesektor sind 1,3 bis 1,8 Billionen Euro erforderlich – vor allem für erneuerbare Energien, Netze sowie Wasserstoff und Fernwärme.
Gebäude: Für den Gebäudebereich werden rund eine Billion Euro benötigt, insbesondere für energetische Sanierungen und neue Heizsysteme.
Industrie: Die Industrie benötigt mit rund 500 Milliarden Euro vergleichsweise weniger Investitionen. Diese konzentrieren sich auf energieintensive Branchen wie Stahl, Chemie und Zement – mit hohen Einzelrisiken und großem Druck auf die Wettbewerbsfähigkeit.
Wie kann sich bei diesen voraussichtlich zu erwartenden Kosten die deutsche Wirtschaft international wettbewerbsfähig aufstellen? Lesen Sie dazu „Aufhebung der US-CO2-Anforderungen für Kohlekraftwerke“
[1] https://www.prognos.com/sites/default/files/2026-10/Fokus-Nr.-561-Oktober-2026-Klimaneutralitaet.pdf